Da habe ich mich an diesem saukalten Freitag noch entschieden, mir den Weihnachtsmarkt am Gendarmenmarkt nochmal anzutun, muss man ja ausnutzen, wenn man Urlaub hat und außerdem nach Weihnachten noch ein Weihnachtsmarkt geöffnet hat.
So beim Rumschlendern über den Markt fiel mir plötzlich ein Teestand auf. Ja, Tee. Trinke ich ja doch manchmal ganz gern. Und aktuell ein wenig verschnupft, kann ja nicht schaden. Ich prompt zum “YOGI-Tee Himalaya - Ginger Harmony” gegriffen, 15 Beutel für 3,30 EUR.
Vom Kauf eines leckeren Tees überzeugt reichte ich das Paket über den Tisch und wurde von der Verkäuferin mit folgender Frage konfrontiert: “Junger Mann, sind Sie sich denn im Klaren darüber, was Sie ihrem Körper mit diesem Tee gutes tun?” Ähm. Bin ich? “Da Sie so fragen, erwecke ich wohl den Anschein als wäre ich es nicht, oder?” - “Na ja, sie müssen wissen, das ist kein gewöhnlicher Tee.” - “Ach?” - “Ja, es handelt sich bei dieser Gewürzmischung um ein altes indisches Rezept, welches in der Ayurveda-Heilkunst schon vielen Menschen zu neuen spirituellen Ansätzen verholfen hat.” - Na meine Güte, mir wurde innerlich die Gefahr bewusst, dass der Genuss dieses Tees übernatürliche Fähigkeiten hervorrufen könnte. Und das für 3,30 EUR. Aufm Berliner Weihnachtsmarkt. Andere Leute krauchen um die halbe Welt, um sich selbst zu finden! Und ich werde das mit diesem Tee schaffen. Irre.
“Gibt’s denn bei diesem tollen Tee irgendeine besondere Verzehr-Herangehensweise? Nicht, dass ich den Tee unwürdig behandele. Floristen reden ja mit ihren Blumen, damit sie besser wachsen. Sollte ich mit dem Tee vielleicht reden, dass er besser schmeckt?” - Spätestens hier war der Punkt erreicht, an dem die Gute hätte merken müssen, dass ich ihren Trip nicht teile und sie verarsche. Aber dem war nicht so. “Mit dem Tee reden wäre nun zuviel des Guten, junger Mann. Aber sie sollten ihn wohlbedacht zubereiten. Es empfielt sich Mineralwasser, statt Leitungswasser und ich empfehle das Erwärmen des Wassers in einem Topf, über einer Gasflamme und nicht in einem Wasserkocher.”
Neben mir standen ein paar Mädels, die halb-interessiert an irgendwelchen Liebeskugeln Halsketten aus heiligem Holz rumgespielt haben und dort wohl nur noch standen, weil sie dieses interessante Gespräch nicht missen wollten.
“Gibt es weitere Informationen, die ich vielleicht über diesen Tee wissen sollte?” - “Schauen Sie mal auf der Seite der Verpackung, dort stehen Tipps für Yogaübungen, die in Verbindung mit dem Tee sehr entspannen und regenerierend wirken.” - “Na dann bin ich ja jetzt vorbereitet, um den Tee zu genießen, oder?” - “Ja, ich denke schon. Ich empfehle übrigens die Kombination mit leicht aufgeschäumter, warmer Milch. Das entfaltet noch intensiver den Geschmack der verwendeten exotischen Gewürzmischung”.
Ist notiert. Das Wasser ausm Hahn blubberte dann ‘ne Stunde später im Wasserkocher und ‘n Glas Milch drehte bereits seine Runden in der Mikrowelle. Ein entspannter Abend am Rechner war mein angedachter Zeitvertreib, dazu einen guten Tee. Also die Idee mit der Milch war echt super, das schmeckt sehr gut. Starbucks verkauft das für 4,20 EUR pro Glas als Chai Latte. Aber welcher Erfahrung bin ich nach einer Kanne Tee nun reicher? Der Schnupfen ist weg. Unglaublich. Bevor ich dem Tee aber heilende Kräfte zuspreche, warte ich noch die Nacht voll Schlaf ab. Gehts mir morgen früh richtig gut, werde ich ab sofort einen Teebeutel pro Tag lutschen. Vielleicht verdoppelt sich ja die Länge meines Glieds. Dann verschicke ich ab 2008 lustige “Penis enlargement”-Mails die sicher jeder aus seinem Spam-Ordner kennt…
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