Aggro (ÖPNV) Berlin.
Dass S-Bahnfahren toll ist wisst ihr. Und was man dabei so erlebt, bzw. was für Typen man begegnet, wisst ihr spätestens seit meiner S-Bahnkolumne.
Aber noch viel geiler ist es ja in so ‘ner Straßenbahn.
Berlin, ein grauer Freitag Morgen, es ist 6:45 Uhr. Es regnet. Geschätzte Temperatur, ca. 5° C, Windgeschwindigkeit, na ja… irgendwas zwischen “ganz schön luftig” und Orkanstärke.
Die Straßenbahn trudelt ein, Tür uff. Peng! Wand! 45° C, 99,5% Luftfeuchtigkeit. Fette Jacke, Handschuhe, Schal. Junge, Junge, wird warm, wa? Jacke uff, Schal ab. Immernoch warm. Die Bahn natürlich sauvoll, nüscht iss’ mit Sitzplatz. Drumherum viele pustende Gesichter, denen das tropische Klima in der Bahn genauso schmeckt. Also, meine Mission steht fest, die kleine Frau neben mir hat keine Chance, jemals die Dachluke zu erreichen, also werde ich diesen Job auf mich nehmen. Bewusst wähle ich nicht die Dachluke, die sich gegen die Fahrrichtung öffnet, sodass die Luft direkt durch die Bahn pfeift, sondern jene, die nur einen leichten Luftstrom erzeugt und eher warme Luft absaugt. Ich muss es wissen, immerhin stoße ich mir an der Stange unter der Luke regelmäßig den Kopf. Und glaubt mir, so luftig ist es da oben gar nicht!
Oooooh. Schön. Die Temperatur fällt schlagartig, die Atembeklemmungen verschwinden allmälig und man kann schon fast durch das eine Fenster gucken. “Alta, ick gloob’ ditt hackt. Watt machste denn die scheisse da uff, man? Ditt iss’ kalt. Hast Du’n Knall?” brüllt jemand hinter seiner “Die Hellersdorfer”-Zeitung hervor. “Meister, haste ma versucht durch ditt Fenster da kieken? Merkste watt?” - Derweil ist die Bahn noch voller geworden und die geöffnete Dachluke reicht nicht mehr aus um ein gemäßigtes Klima innerhalb der Bahn zu gewährleisten. Aber da gibt es ja zum Glück die Seitenfenster, mhh ich muss zugeben, wenn so’n Teil offen ist, dann pfeift’s auch richtig. Aber scheiss drauf. Ich habe eine Mission! “Samma iss ditt jetzt dein Ernst, oder watt? Muss ick ditt jetzt erst zumachen, ODER MACHSTE JETZT ENDLICH MA DITT SCHEISS FENSTER, UND DIE KACKLUKE DA OBEN ZU?”
Die 14-jährige Jamba!-Braut (Definition: Siehe S-Bahnkolumne) neben dem Hellersdorfer Schreihals ist gerade wach geworden, nimmt Bushido aus’m Ohr: “Ey watt schrei’n se denn hier so rum? Sei’n se doch froh, dasse hier drinne nich ersticken!” - “Wer hat denn dich gefragt? Und Du da! Jaaaa, Du! Watt jetzt? DIE SCHEISSE ISS’ IMMERNOCH OFFEN” - “Man, die scheisse bleibt ooch offen!” - Mutti neben mir, geschätzt: Mitte 40, “Na ja junger Mann, also das Seitenfenster könnten Sie ja vielleicht doch zu machen, warm ist der Wind ja nicht gerade”. “Man, der Arsch soll auch diese scheiss Luke zu machen, das ist kalt hier!!!”. “Der Arsch macht das Fenster zu, Chef, die Luke bleibt offen. Angekommen?” - “Wirste jetzt auch noch frech, oder watt? Ick steh’ gleich uff”. “Gute Idee, dann kann sich die ältere Dame an den Krücken, die da neben Ihnen steht, vielleicht hinsetzen!” - Die Gesichter um mich herum vermitteln mir, Punkt für mich! Entgegen meiner Erwartung steht der lautstarke 150kg-Sack doch tatsächlich auf, faltet “Die Hellersdorfer” zusammen und verstaut sie in seiner LIDL-Tüte. Oma Stock nimmt Platz. Jetzt, wo der Schreihals steht, fällt ihm auf, dass ich ca. 3 Köpfe größer bin und auch er niemals diese scheiss Luke erreichen wird. Einen blöder, verdutzter Blick ist vom lautstarken Organ übrig geblieben.
“Ding Dong - S-Bahnhof Landsberger Allee” - Ooooh. Tobi muss aussteigen. Und die Luke muss wohl offen bleiben.
Die Ringbahn fährt ein, bleibt stehen, ich kann gar nicht durch die Fenster schauen. Was’n da los? Die Türen gehen auf. Kein Platz, überall Leute. Au man, hier ein bisschen schieben, da ein bisschen drücken und ein höfliches “Ääh, könnte ich mal bitte?” und ich ergattere diesen kleinen Platz an der Tür. Die Türen gehen zu. Alexa-Atmosphäre beschreibt den Zustand wohl am besten. Durch das Gerüttel klatsche ich mit der Wange kurz gegen die Scheibe und rubble ein Loch frei, welches sofort wieder beschlägt. 180°-Scanblick… “Hallo, könnten Sie vielleicht ein Fenster aufmachen?” - “Ja, klar.” - Fenster offen. So ‘ne Ökoschnitte im Selfmade-Wollpulli steht auf, PENG, Fenster zu. “Alta, spinnst Du? Ditt iss’ Winter draußen!”



Dezember 8th, 2007 at 00:35
Entschuldigen Sie Herr Kollege, aber von welchem Tag berichteten Sie denn da gerade? Doch nicht etwa von heute, oder? Also das Thermometer hat heute in Berlin (zumindest zur Morgenstunde) knapp unter 10°C angezeigt. Ich kann mir nicht vorstellen, das es in Downtown (Marzahn) viel kälter war als im Rest von Berlin. Naja, ich kenn dich ja ein bisschen und weiß das du auch gerne mal ein bisschen viel Phantasie hast. Aber trotzdem nett geschrieben!
P.S.: Nix gegen Jamba, klar?
Dezember 8th, 2007 at 11:17
Dort steht “Geschätzte Temperatur”, versuche das präziser zur fühlen, wenn dir ein Orkan um die Nase weht. No way!
So viel Phantasie steckt aber erstaunlicherweise gar nicht in diesem Text. Ob Du’s glaubst oder nicht
Und hör uff mit Jamba rumzujammern, Klingeltontesthörer.
Dezember 13th, 2007 at 18:02
seeeeeeeehr sehr geile story mal wieda tobi, hab gut gelacht! weiter so
Dezember 20th, 2007 at 23:31
Blogleser aus aller Welt, eine kleine Besucheranalyse….
Ich bin erstaunt, verwundert, vielmehr aber erfreut darüber, dass in verhältnismäßig kurzer Zeit eine rasante Besucherentwicklung eingetreten ist, laut Google Analytics beträgt die tägliche Besucherzahl (es schwankt doch ziemlich) zwischen 150 un…