So titelte die Berliner Zeitung in ihrer gedruckten Ausgabe vom Mittwoch, den 6. Februar 2008, in der Online-Fassung steht “Immer mit der Ruhe”.
Der Anlass dieses Artikels ist die 2002 in Kraft getretene Richtlinie der Europäischen Union zur Reduzierung von Umgebungslärm. Der Berliner Senat hat sich dieser Aufgabe angenommen und als erste Stadt in Deutschland ist Berlin komplett in Lärmkarten eingeteilt, das erschütternde Ergebnis: 340.000 Berliner sind Nachts einem gesundheitlich nicht mehr vertretbaren Schwellenwert von mind. 55 Dezibel ausgesetzt (entspricht ca. 10,03% der Bevölkerung [Stand 03/07]). Na au weia. Mein Vorschlag wären Oropax auf Kosten der Krankenkassen, aber Neeeeeeeiiin, wieso sollte man es sich so leicht machen, wenn man auch halb Berlin auseinandernehmen kann?
Der Senat beauftragte ein Ingenieurbüro und eine Planungsgruppe zur Lärmbekämpfung, zielführend ist das Erarbeiten von Gegenmaßnahmen, die Highlights dieser tollen Vorschläge wie folgt:
- Tempo 30 ganztägig auf dem Mariendorfer Damm bzw. dem Tempelhofer Damm (DIE Verkehrsachse aus dem Süden in die Innenstadt), sowie der Prinzenallee und der Badstraße im Wedding und weiteren Hauptverkehrsstraßen.
- Ausdehnung der Parkzonen (Parkraumbewirtschaftung) in der Innenstadt, Begründung: Parkgebühren vermindern prinzipiell den Verkehr (Resultat: Mehr Bahnfahrer), wodurch weniger Parkplatznotstand besteht und in Folge dessen weniger Parkplatzsuchverkehr durch Parkplatzbrennpunkte schleicht.
Also Punkt 1 ist völliger Quatsch, würde man den Tempelhofer Damm in einen vernünftigen Zustand bringen, würden klappernde LKWs viel weniger Lärm verursachen und man würde nicht eine der Verkehrsachsen in ihrer Funktionalität einschränken. Tempo 30 bedeutet nämlich auch, dass pro Stunde viel weniger Autos die Straßen passieren können, was im Umkehrschluss zu mehr Stau und längeren Fahrwegen führt, ergo: Zeitliche Ausdehnung der RushHour. Tolle Idee!
Punkt 2 klingt nicht doof und ist gut begründet und ganz beiläufig spülts auch noch ein wenig Geld in die leeren Kassen der Hauptstadt Kassen der Kreditgeber Berlins. Aber der absolute Knaller kommt jetzt:
- […] schlagen die Experten vor, auf einigen Straßen die Fahrbahnen schmaler zu gestalten. “Kapazitätsreduzierung” und “Neuorganisation des Straßenraums” sind die Stichwörter. Wenn zum Beispiel die Beusselstraße in Moabit […] nur noch einen Fahrstreifen pro Richtung hätte, würde der Verkehr abnehmen - und der Lärm.
Wie würde Gunnery Sergeant Hartman sagen? “Bullshit!”
Für solche “Ideen” bekommen Leute Geld? Zu was soll es denn bitte führen, die verkehrsführenden Straßen in ihrer Kapazität einzuschränken, außer dass Verkehr sich auf umliegende Straßen verteilt, diese verstopft und neue Stau- bzw. Lärmprobleme verursacht?
Ich denke dieses Planungsbüro soll Problemlösungen erarbeiten und nicht halbherzige Vorschläge machen, die Probleme nur umschichten und an anderen Stellen neue Probleme verursachen. Wären Berlins Straßen in einem vernünftigen Zustand wären solche Debatten überhaupt gar nicht notwendig, da eine glatte Straße viel weniger Lärm verursacht. Aber gerade das Paradebeispiel Tempelhofer Damm Acker ist von Deutschen Bauarbeitern Pfuschern in einen löchrigen und gepflickten Zustand versetzt worden, sodass man dort fast Slalom fährt um das schlimmste zu vermeiden.
Das sieht die Stadtsenatorin für Gesundheit, Umwelt und Verbrauscherschutz Katrin Lompscher (Linke) leider anders, ihrer Meinung nach sollte der Senat noch in diesem Sommer den Lärmminderungsplan verabschieden, es geht nun mal nicht ohne Eingriffe in den Straßenverkehr, er sei “Lärmquelle Nummer Eins”, lässt Frau Lompscher mitteilen.