Anekdoten aus dem Leben eines AdSense-IV-Empfängers

Purzelnde Dollarkurse, eine drohende Rezession in den USA und ein Google-Aktienkurs im Tiefflug.

„Mir doch egal“ wird sich ein Großteil der Menschen denken. Eine kleine Randgruppe, Blogger, Webseitenbetreiber und andere AdSense-Publisher steht dem sicher anders gegenüber. Es gibt nämlich im Umrechnungsautomatismus der AdSense-Anzeigen, sowie in der Abrechnung insgesamt einige Feinheiten, die die eigenen Einnahmen deftig nach unten reduzieren, womit das viel größer Gedachte Stückchen vom großen Kuchen der Werbemilliarden viel geringer wird, wenn man es genauer betrachtet.

Kurze Erklärung: AdSense, bzw. Google-AdSense ist die Werbeform von Google, die es Webseitenbetreibern ermöglichst, Werbung von Unternehmern auf ihren Webseiten einzubinden. Das sind die sogenannten AdWords-Merchants. AdWords ist ebenfalls ein Google-Service, Unternehmen stellen dort Werbelinks ein, definieren Klickpreise und so weiter, aktivieren Sie die Funktion, dass die Werbung auf Googlefremden, deutschsprachigen Websites angezeigt wird, kommen Leute wie ich, AdSense-Publisher ins Spiel. AdSense-Publisher zeigen also die Werbung von AdWords-Merchants an, sofern diese ihre Werbung dafür freigeben, ist das nicht der Fall, erscheint deren Werbung ausschließlich auf den Suchergebnisseiten von Google.

Das lustige an dem ganzen System ist, dass AdSense schlauerweise feststellt, dass es sich auf einer Seite um deutsche, englische, französische oder meinetwegen auch portugiesische Inhalte handelt, demnach werden die eingeblendeten Anzeigen im Interesse aller (auch Google, denn Google kassiert einen Teil der Klickbeiträge, die durch die AdSense-Publisher entstehen) in der jeweiligen Sprache eingeblendet. Behalten wir das europäische Beispiel im Auge, ein deutsches oder französisches Unternehmen zahlt in Euro, sprich: 1 Klick auf die Werbung zu Keyword XY lässt sich das Unternehmen 0,25 EUR kosten. Die AdWords-Oberfläche reagiert auf die landeseigene Währung um es den Unternehmern (=Merchants) nicht zu schwer zu machen. Ein AdSense-Publisher erhält jedoch alle Einnahmen in USD (=US-Dollar) angezeigt und ausgezahlt.

Kursschwankungen haben also einen enormen Einfluss auf die Werbeeinnahmen von Webseitenbetreibern. Nehmen wir folgendes Rechenbeispiel:

Firma XY stellt via AdWords das Keyword 123 ein und lässt sich jeden Klick 1,00 EUR kosten. Der einfacheren Rechnung wegen tun wir mal so, als würde Google den Klickpreis 1:1 an den AdSense-Publisher weiterreichen und nichts einbehalten, was in dieser Rechnung nichts zur Sache tut. Die AdSense-Anzeige mit dem Keyword 123 landet jetzt hier auf dem Blog und jemand klickt drauf. Heutiger Kurs 1EUR:1,58USD., sprich; mir werden für den Klick 1,58 USD als Einnahme verbucht. Durchschnittlich habe ich pro Tag 5-8 Klicks, Klickpreise in dieser Höhe sind aber eher selten, i.d.R. sind es 0,10-0,50 US-Cent.

Damit Googlekunden (AdWords-Merchants) intern nicht durch Kursschwankungen konkurrieren, hat sich Google meiner Meinung nach etwas einfallen lassen, alles andere würde den Unternehmern zu viel Interaktion abverlangen, sprich: die Währungen müssen intern entweder gleichgestellt, oder aber mit einem eigenen Kurs berechnet sein. Außerdem funktioniert das Prinzip so, dass der Unternehmer, der für einen Klick am meisten bietet, in den Werbeeinblendungen zu seinem Keyword bei den Google-Suchergebnissen ganz vorne steht, bzw. mit höchster Wahrscheinlichkeit via AdSense eingeblendet wird. Gäbe es intern keine solche Gleichstellung, würden US-Unternehmer täglich ihre Gebote neu berechnen müssen, sofern Sie Interesse an Platz 1 haben.

Wie dem aber auch sei, ein deutsches Unternehmen hat zu Keyword 123 beispielsweise seit 1 Jahr den fixen Klickpreis von 1,00 EUR definiert, wenn ich den Klick später in meinem AdSense-Konto betrachte, sehe ich ihn in USD. Da die Klicks tagesaktuell angezeigt werden, erhalte ich meinetwegen am 1. eines Monats einen Klick zu einem fiktiven Kurs von 1EUR:1,30USD. Sprich, der Klick, den das deutsche Unternehmen mit 1 EUR bezahlt, zeigt Google mir mit 1,30 USD an. Die Rückrechnung in harte, für deutsche AdSense-Publisher relevante, Euros erfolgt aber erst mit Erreichen der Auszahlgrenze.

Jetzt kommt der Arschtritt, es ist unbekannt, wann Google diese Umrechnung durchführt, vermutlich am Tag der Auszahlung, der automatisch immer dann zum 15. eines Monats erreicht ist, wenn der AdSense-Kontostand 100,00 USD übersteigt. Wieso Arschtritt? Ganz einfach, noch mal zum obigen Beispiel, ich erhalte am 1. eines Monats einen Klick, der mit 1 EUR = 1,30 USD dotiert ist. Bis zum Erreichen der 100 USD-Marke wird aber intern nicht umgerechnet, sprich: Google rechnet erst in EUR um, wenn die 100 USD erreicht sind. Ist dieser Punkt meinetwegen 3 Monate später erreicht und der Kurs steht bei 1EUR:1,60USD, werden aus den 1,30 USD zarte 0,81 EUR. Kleine Publisher, die 1 Jahr brauchen um 100 USD zu erreichen, haben also vielleicht damals mal einen Klick zu einem „göttlichen“ Kurs erhalten, der zum Zeitpunkt der Auszahlung aber drastisch an Wert verloren hat.

Krame ich in alten Unterlagen beweist sich diese Theorie, denn im August 2007 wurde mit 0,736:1 umgerechnet, im Oktober 2007 nur noch mit 0,703:1. Erreicht der Dollarkurs bis April tatsächlich die 1,60 EUR-Marke, hätte das einen Umrechnungskurs von 0,625:1 zur Folge, ergo sind die 100 USD, die im September 2007 noch 73,60 EUR wert waren, im April 2008 nur noch 62,50 EUR wert.

Willkommen im Leben eines AdSense-IV-Empfängers. (Wer den jetzt nicht versteht, …)

6 Kommentare

  1. Super Beitrag und echt geil erklärt!

    Bin auch ein “Geplagter” und nehme immer mehr affili-Beihilfe in Anspruch.

    So langsam geht mir der starke Euro schon bissel auf den Keks.

  2. google verarscht uns alle!! *lol* get a life

  3. Na ja, bei Affili-Links bin ich vorsichtig, da mir die zu erwartenden Einnahmen nicht überschaubar genug sind. Ich persönlich bin halt einfach der Meinung, dass niemand über meinen Blog einen Flug, oder einen Urlaub bucht, oder bei Amazon die hier eingeblendete CD kauft. Würde ich selbst woanders in einem Amazon-Widget was interessantes sehen, würde ich mir sicher den direkten Link bookmarken um nochmal drüber nachzudenken und wenn ich dann später zuschlage, bekommt der eigentliche Referrer davon gar nichts mehr mit. Insofern bin ich da skeptisch, das lohnt sich defintiv bei richtig vielen Besuchern und entsprechender Zielgruppe für ein Fachgebiet (auf welches man die Affili-Links auch ausrichten kann), aber hier, bei meinem Blog mit Thema “alles mögliche”… Neeee… :)

  4. Nach Murphy vollziehen sich Währungsschwankungen immer zuungunsten der gerade persönlichen Lebenslage. 1998 zB kostete ein vernünftiger Urlaub auf der dollargebundenen Karibikinsel Barbados rund das doppelte von heute. Wer also damals noch mit Pennystocks sein Geld verdiente musste teuer ablegen. Dieselben Leute sind heute AdsenseIV-Blogger und können sich natürlich nun keinen Barbadosurlaub mehr leisten obwohl der nun ja billiger ist.

    Man muss es pragmatisch sehen. In ein paar wird in Deutschland sowieso die imperialistische Schutzfirewall aufgezogen und da gibt es dann ohnehin in den eigenen Blogs (die vom Ministerium für virtuelle Gerechtigkeit überwacht werden) keine Werbung mehr. Man sollte auch schwache Dollar nehmen. Und sowohl Männer als auch Frauen müssen sich mit zunehmenden Alter sowieso daran gewöhnen dass sie nicht mehr das kriegen können was sie früher mal bekommen haben, in besseren Zeiten…

  5. nett erklärt! endlich einer, dem die problematik auch schon auffällt….

  6. Naja, auf der anderen Seite kann es aber durchaus auch passieren, dass sich die Kurslage ins Gegenteil ändert, und am Tag der Auszahlung 1USD vielleicht 1,3 Euro wert ist.
    Ist zwar momentan anscheinend nicht so, kann aber sein – und liegt ja nicht in Googles Macht das zu ändern :-p

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