“Alter, wattn hier los? Bist doch eben erst gekommen!”
Der Großteil meines Umzugs ist hinter mich gebracht und die Wohnung in Berlin-Friedrichshain wirkt von Tag zu Tag wohnlicher, gemütlicher und weniger verkramt.
Da dachte ich mir letzte Woche, nachdem ich bereits 4 Nächte in der neuen Wohnung verbracht habe, dass es vielleicht eine gute Idee wäre, sich langsam mal polizeilich umzumelden. Gesagt, getan. Aufm zum Bürgeramt an der Frankfurter Allee. “Ich hoffe, Sie haben Zeit mitgebracht! Vor Ihnen sind 40 Leute.” - “Äh, Nee. Soviel Zeit nun auch nicht!”
Prompt wurden mir sämtliche Formulare ausgehändigt, mit der Bitte, diese selbstständig auszufüllen. Mir wurde dann ein roter Zettel gegeben, mit dem Hinweis, doch bitte “diese” Nummer anzurufen und nach einem Termin zu fragen. Nächste Woche werden die Bezirksämter unbefristet bestreikt, was sich mittlerweile herumgesprochen hat. “Terminknappheit” ist gar kein Wort. Ich habe den Letzten bekommen, Donnerstag, 12:45 beim Bürgeramt Schlesische Straße in Kreuzberg. Genau, gestern.
12.40 Uhr lief ich gelassen die Treppe rauf, half noch mehreren kurz vor ihrer Integrierung stehenden Bald-Deutschen beim Hochschleppen ihrer Kinderwagen, setzte mich in den Warteraum, blätterte den stern auf - Dingdong! - Oh, ist ja meine Nummer. Rolle den stern wieder zusammen, in den Rucksack und stehe auf. “Alter, wattn hier los? Wieso ziehn die denn schon deine Nummer? Ick sitz’ hier schon 2 Stunden! Bist doch eben erst jekomm! Iss ditt’n Scheißladen hier! Ick hab’ die Schnauze voll von die Scheiße!”
Ich geb’s ja zu! Es fiel mir wirklich schwer, nicht noch mehr, als mein Zucken mit der Augenbraue, zu erwidern. Aber ich hab’s durchgehalten und ihn nicht angemault.
Um 12.50 Uhr lief ich dann relaxed wieder die Treppe runter, blickte in den Warteraum, in dem geschätzt halb Kreuzberg saß, war offiziell eingefriedrichshainst und lächelte. Und dankte innerlich dem Berliner Senat für die Möglichkeit, sich bei den Bürgerämtern ganz einfach einen Termin zu holen.



September 26th, 2008 at 15:06
Was im Übrigen auch sehr gut bei den Berliner Bürgerämtern kommt, sind die Samstagsöffnungszeiten. Da braucht man sich streckenweise nicht einmal hinsetzen, weil man gleich dran ist.