Das Google Earth Déjà-vu

sany0053.jpgReisevorbereitung mit dem Internet ist cool, praktisch und echt bequem. Man schaut sich an, wohin es geht, plant Routen am anderen Ende der Welt schon vom heimischen Schreibtisch aus und ist eigentlich schon vor Ort. Aber eben nur virtuell. Aber irgendwie auch sehr real und intensiv.

Ein kleiner Rückblick. 1956, mein Onkel, damals zarte 17, schnappt sich sein Fahrrad und verlässt das Elternhaus, fährt quer durch Deutschland um in Bremerhaven auf einem Schiff anzuheuern. Auf, in die große unbekannte Welt, die man höchstens aus Büchern und einigen wenigen Fotos kannte.

Ich hingegen, Frühjahr 2009: Die Termine stehen fest und die Flüge sind gebucht. Berlin – Las Vegas via New York und Rückflug von San Francisco nach Berlin, mit 3 Tagen Aufenthalt in New York. Knapp 3 Wochen dazwischen. 3 Tage Vegas, Mietwagen, ab nach Los Angeles, 3 Tage Hollywood, 1 Tag Venice Beach und Santa Monica. Dann, California State Route 1 entlang der Pazifikküste bis nach Monterey, über Palo Alto und ‘nem Besuch bei facebook weiter nach San Francisco. Auto weg, 6 Tage dort. Ab in den Flieger und weiter nach New York.

Das alles war geplant und ausgetüftelt, bevor ich amerikanischen Boden betreten habe.

Stundenlang, nein, Nächte und Tage saß ich vor Google Earth und bin durchs dreidimensionale Las Vegas geflogen und habe mir mit Panoramio den Geschmack auf die Tour entlang der Westküste angeregt. Und dann stehst Du in Las Vegas vor diesem Schild, was dort einen Stellenwert hat, wie ein Eifelturm in Paris, oder Big Ben in London. Und denkst dir, mh, ja, war ich hier nicht schon mal? Die Umgebung, der Flughafen nebenan und die gigantischen Hotels inmitten der Wüste im Hintergrund. Alles schon mal gesehen. Zwar “nur” auf Fotos aber doch so real. Als wäre man eigentlich dort.

Eine gute Woche später, der letzte Tag mit dem Mietwagen. Los geht’s in Richtung Golden Gate Bridge! Man sieht sie schon aus großer Entfernung, wenn man drauf zu fährt. Bis kurz vor Fort Point kommt man mit dem Auto, den Rest läuft man. Beeindruckend. Aber doch nicht Neu. Reiseführer? Brauch ich nicht. Längst alles bei Wikipedia nachgelesen, hunderte Fotos der Brücke gesehen. Vom Bau der der Golden Gate Bridge weiß ich alles. Wieso bin ich dann eigentlich noch hier?

Im Nachhinein habe ich irgendwie das Gefühl, man würde sich mit der Vorfreude auf den Urlaub vor dem Urlaub und der grenzenlosen Informationsvielfalt des Internets, sowie der technischen Möglichkeit, alles am Computer zu erleben, ein wenig den Moment versauen, wenn man dann wirklich vor Ort ist. Das Bedürfnis, alles zuvor zu recherchieren, nicht so wie früher bei Jugendreisen, ist ja doch enorm. Wäre es nicht trotzdem aufregender und interessanter, das andere Ende der Welt mit eigenen Augen und ohne Vorbereitung zu erobern und zu erkunden, wie es mein Onkel tat, statt dann dort zu stehen um festzustellen, dass man ja bei Google Earth eigentlich viel cooler und frei wie ein Vogel um alles drumherumfliegen kann?

2 Kommentare

  1. Wie wahr, wie wahr – andersherum ist es allerdings genial wenn man nach einem ereignisreichem Urlaub ins Internet schaun kann um nachzuvollziehen – in endloser Sehnsucht schwelgend – wo man überall war und um bei flickr bessere Fotos zu suchen als die die die eigene Kamera mit nach haus gebracht hat :P

  2. Da hast Du recht, ich flieg morgen nach Philadelphia, aber da ich zu faul war, mir irgendwas spezielles rauszusuchen, lass ich mich einfach überraschen, was auf mich zukommt :) Ich hab nur ein ganz rudimentäres Programm, das ich abarbeiten will.
    Schönes WE
    Sebastian

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