Foursquare, der Hype und das Potential

Nachdem ich Foursquare lange nur beobachtet habe und mein Account stillstand, bin ich seit fast 2 Wochen intensiv dabei und nutze Foursquare täglich. Ich beobachte Foursquare schon seit einiger Zeit, konnte mich aber noch nicht so ganz begeistern. Das hat sich jetzt geändert, Foursquare hat mich schon ein wenig gepackt und macht spielerisch fast süchtig, aber dennoch stellen sich mir einige Fragen, insbesondere in Punkto Rentabilität und Werbenutzung, denen ich gern auf den Grund gehen möchte.

Das Prinzip

Zunächst erstmal, worum es hier geht. Foursquare ist ein “Location based service” der auch den “social networking”-Faktor integriert. Das Prinzip ist einfach. Auf der Website foursquare.com kann man nur verfolgen, aber nicht aktiv mitmachen. Das geht im Moment nur mit dem iPhone, bzw. Android- und Blackberry-Geräten. Via GPS erkennt die Applikation auf dem Smartphone wo man sich gerade befindet und zeigt alle “Venues” im Umkreis an. Die “Venues” sind Plätze aller Art, das kann die Bar vor deiner Haustür sein, ein Restaurant, aber auch ganz simpel: Ein S-Bahnhof, der Backshop, der Park um die Ecke, was auch immer. Gerade in Berlin wird so ziemlich alles eingetragen! Der Hintergrundgedanke entspricht dem, den wir von QYPE kennen. Zu den eingetragenen Orten (Venues) soll Feedback gesammelt werden, die User können Tipps eintragen und auf Besonderheiten an einem Ort aufmerksam machen. Das kann der beste Cocktail auf der Karte sein, aber auch der tolle Blick in den Sonnenuntergang auf der Modersohnbrücke in Berlin-Friedrichshain. Ziel dabei ist, dass man möglichst viel über einen Ort weiß, an dem man gerade ist, oder dem Feedback entsprechend plant, wohin man geht.

Als Anreiz ist dieses muntere Einchecken an Orten mit einem Spiel verbunden. Du bist zum Ersten Mal hier? Super! 5 Punkte. Oh, das ist dein erster Stop heute, noch mal einen Punkt. Du hast einen neuen Ort eingetragen, noch mal 5 Punkte. Und für jeden Stop den Du machst, bekommst Du *Anzahl Stops an einem Tag* Punkte. So läppert sich einiges zusammen und man ist schnell in einem “Kampf” mit seinen Freunden. Das führt dann dazu, dass jeder S-Bahnhof, jeder Supermarkt und jede kleine Bäckerei eingetragen wird. Die Push-Benachrichtigungen auf dem iPhone kann man glücklicherweise abstellen oder nur für einzelne Kontakte zulassen! :)

Bin ich jetzt derjenige, der sich an einem Ort am häufigsten eingecheckt hat (jedoch mind. 2 Mal), werde ich zum “Mayor” (Bürgermeister). Mir gehört der Ort jetzt. Damit kann ich Änderungen vornehmen und Informationen zu Adresse oder Twitter-Account nachtragen, ohne dass dies geprüft werden muss. Ist man kein Mayor, kann man nur Änderungen vorschlagen und auch das ist noch nicht praktikabel implementiert.

Dann kommen noch die Badges (Abzeichen) ins Spiel. Checke ich an 25 verschiedenen Orten ein, bekomme ich das “Explorer”-Badge, 30 Checkins in einem Monat machen mich zum “Super User” und “Super Mayor” werde ich, wenn ich Mayor von 10 Orten bin. Und so geht das weiter, Badges gibt es in Überfluss und die digitalen Trophäen häufen sich schnell an, wenn man Foursquare mal eine Woche intensiv nutzt und sie schmücken das Foursquare-Profil (hier z.B. meins).

Darüber hinaus kommt dann noch der soziale Faktor dazu, wenn man sich häufig mit Freunden zusammen an einem Ort eincheckt, dann wandern diese in einer Liste mit den “Top-Freunden” nach oben.

Der Nutzen

Der Mehrwert durch Foursquare wird sichtbar, wenn man sich in einer Gegend befindet, in der viele Menschen Foursquare intensiv nutzen. So kann man sich über das beste Steak in der Straße erkundigen oder schon vor Betreten einer Bar nachlesen, ob die Cocktails gut sind. Spielerisch wird dies am Leben erhalten, in dem die User für ihre Aktivität Punkte sammeln.

Was diese Punkte sollen? Gute Frage. Jeden Sonntagabend wird der Punktestand auf 0 zurückgesetzt um einerseits neuen Usern eine Chance zu geben, in der Statistik was zu bewegen und andererseits um nicht Non-Stop die Hardcore-User ganz vorn zu haben. Was man mit den Punkten mal machen kann, ist noch die große Frage. Im Dezember 2009 wurden diese z.B. einem guten Zweck zugespielt.

Die Möglichkeiten für Marketing

In San Francisco sind bereits einige Bars soweit, dass sie ihrem Mayor gratis Getränke anbieten und anderen Foursquare-Usern 2 USD Rabatt geben. Der Mayor-Titel kann laufend wechseln, wenn sich jemand anderes häufiger eincheckt. 5 Mal hintereinander funktioniert das natürlich nicht, aber mehrmals am Tag theoretisch schon. Angeblich prüft Foursquare, ob Ort des Checkins (Adresse der Bar/…) und Location (GPS-Signal meines Smartphones) relativ übereinstimmen, ansonsten wird der Checkin im Nachhinein annuliert bzw. werden keine Punkte vergeben.

Dem Mayor etwas Besonderes anzubieten ist zwar eine feine Idee, aber mir stellt sich hier die Frage nach dem “Warum?”.

Denn, es gibt keinen Indiz dafür, dass der Mayor wirklich ein Stammkunde ist, es kann ja auch sein, dass er zufälligerweise über einem Restaurant wohnt und dort morgens und abends je ein Mal eincheckt. Das Missbrauchspotential ist recht hoch, weil niemand weiß, ob ich wirklich IM Restaurant bin, wenn ich mich einchecke, oder nur draußen vorbeilaufe. Mache ich nun ein Gewinnspiel und gebe dem Mayor noch etwas Extra-Bonbons, entfache ich automatisch einen Kampf um den Mayor-Titel. Läuft dieser immer “fair” ab? Ich bezweifle das.

Genau so eine Kampagne ist vor einigen Tagen von Vodafone zu Ende gegangen. Die Vodafone-Flagshipstores in Berlin, Hamburg, Köln, München und Frankfurt waren knapp 4 Wochen Anlaufpunkt für eine Kampagne mit Foursquare. Der Mayor eines Flagshipstores konnte am Ende der Kampagne ein Überraschungspaket von Vodafone gewinnen. Mein persönliches Problem ist hier das gleiche. Es ist nicht nachvollziehbar, ob die Leute wirklich vor Ort sind. Und gerade bei einem Vodafone-Shop ist doch der Anreiz jeden Tag vorbeizukommen, noch viel geringer, als meinetwegen in einem Restaurant. Es sei denn, Vodafone macht richtig guten Kaffee!

Folgende Fragen bleiben für mich im Raum stehen:

  • Macht es Sinn, dem Mayor eines Ortes auf Foursquare irgendwelche Sonderleistungen zukommen zu lassen? Wenn ja, warum und wie sollten/könnten diese aussehen?
  • Wie noch kann Foursquare im Moment für Marketingzwecke genutzt werden? Es ist ja nicht mal möglich, dass sich der Besitzer eines Ortes in seinen Venue einkaufen kann, um das Profil mit Informationen zu füttern.
  • Wie kann das Punktesystem sinnvoll genutzt werden?
  • Wie kann Foursquare spannend bleiben? Wo ist nach, meinetwegen 6 Monaten, der Anreiz, Punkte zu sammeln, die Sonntagabend sowieso verpuffen.
  • Ist Foursquare wirklich das neue Twitter (wie man bei Mashable behauptet)?

Foto-Credits: “Free Wifi”-Shot by Amit Gupta on Flickr. iPhone-Screenshots are selfmade.

4 Kommentare

  1. Die Orte-Betreiber haben sehr viel davon. Dass die Prinz Willy Bar in Kiel gut gevotet ist und ich über Foursquare die Leute, die ich im Konzert neulich traf, über Foursquare connecte und wiedertreffe, das strahlt auf die Bar, den Gastgeber zurück.

  2. Danke für den Einwurf. Ich wollte nicht den Eindruck erwecken, dass viele positive Einträge bei Foursquare keinen positiven Effekt für Bars, Restaurants usw. haben. Mit Marketingmöglichkeiten habe ich in einer anderen Größenordnung gedacht und meinte Möglichkeiten für große Unternehmen, Kampagnen mit Foursquare zu verbinden.

  3. Also die Begeisterung an foursquare kann ich nicht teilen…
    Ist zwar eine ganz nette Angelegenheit, aber im Internet tummeln sich schon mehr als genug Portale, wo man von vorn herein, Pro und Contra checken kann…

    Spielerisches Punktesystem mit Mayor darf umsonst löten Funktion hin oder her…

Trackbacks

Hinterlasse einen Kommentar