Wie Facebook mit “Places” und dem Like-Button das Web auffrisst

Facebook erobert zunehmend das Web und entzieht dabei immer mehr existierenden Web-Diensten den Nährboden. In einigen Fällen ist absehbar, wohin die Entwicklung geht, manch anderer Service ist an Facebooks Macht, Nerd-Spielzeug zu Mainstream-Produkten zu machen, schon eingegangen.

Ein kleiner Exkurs, wohin die Entwicklung gehen kann.

Der Like-Button ist ein guter Indikator dafür, wievielen Leuten ein Artikel, ein Beitrag, ein Video oder eine Website gefällt. “Gefällt mir” bzw. “Like” ist weniger nerdy als “Digg it” oder hierzulande “Yigg it”. Und mit likebutton.me ist wenige Tage nach dem Start des Like Button auch direkt ein Aggregator gestartet, der einem zeigt, welche Seiten, Videos, usw. im Freundeskreis gerade angesagt sind. Ich bin mir ziemlich sicher, dass Facebook selbst in absehbarer Zeit eine solche Funktion startet. Und wenn das kommt, wird Digg.com ins Schwitzen kommen. Denn dann wird sich der Like Button noch viel größerer Beliebtheit erfreuen können und andere Dienste damit ein wenig unnötig machen. Im Moment kann man als Webseitenbetreiber auf facebook.com/insights schon Statistiken sehen, wie oft Inhalte der eigenen Seite geteilt oder geliked werden. Ist man Google Analytics-verwöhnt, ist man hier im Moment aber noch enttäuscht. Die Zeitachse reicht nur knappe vier Wochen zurück und wirkliche Insights erhält man eigentlich nicht. Wahrscheinlich auch nur eine Frage der Zeit, denn Facebook fängt mit den aus dem Like Button gesammelten Daten sicherlich mehr an, als das, was man im Moment unter den Insights sehen kann. Traffic-Lieferant ist Facebook aber schon längst in diversen Online-Märkten.

In ein Paar Wochen wird außerhalb der USA Facebook Places starten. Ein ortsbasierter Dienst, mit dem man seinen Freunden mitteilen kann, in welchem Restaurant/Supermarkt/Coffeeshop/… man gerade ist. Facebook arbeitet hier zwar mit den bisherigen Location based Service-Anbietern Gowalla und Foursquare zusammen, auf lange Sicht werden sich diese aber sicher auch nicht konkurrenzfähig halten können.

Was hier im Moment passiert war absehbar und wird das Social Web nachhaltig verändern. Facebook implementiert Dienste und macht diese seinen 500 Millionen Nutzern zugänglich, die sonst nur von der Online-Avantgarde genutzt werden. Das ist insofern schade, dass ein Start-up wie Foursquare kein zweites Facebook werden kann, weil Facebook den Dienst nachbaut, bevor das Start-up richtig groß wird. Und wenn Facebook die Funktion dann anbietet, interessiert sich die breite Masse ohnehin nicht mehr für das “Original”. Facebook kann im Moment gut die Rolle ausüben, die Google vor ein Paar Jahren hatte. Hier wird also sicher erst ein weiterer großer Player nötig sein, um die Karten neu zu mischen. Bisher weiß ich nur nicht, welcher das sein könnte.

Update, 24.09.2010, 09:45 Uhr

Witzig, hier schreibe ich noch, dass Facebook auf Lange Sicht eine große Konkurrenz für Digg.com werden wird und dann verkündet heute Techcrunch den Start von TheLikeStream, zwar keine offizielle Facebook-Implementierung, aber schon mal der Schritt in Richtung Digg.

1 Kommentar

  1. Meine Rede! Fairerweise sollte man allerdings Twitter und Google gleichermaßen disliken.

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